Paul Klee
Maler, Zeichner, Musiker, Lehrer. Einer der wichtigsten Künstler des 20. Jahrhunderts — und zwei Jahre lang Professor an der Kunstakademie Düsseldorf, bis die Nationalsozialisten ihn 1933 aus der Stadt vertrieben.
Unsere Schule trägt seinen Namen. Die drei bunten Bögen im Schullogo kommen aus einem seiner bekanntesten Bilder. Diese Seite erzählt, wer er war, was das Bild bedeutet und wo man seine Werke in Düsseldorf sehen kann.
Biografie
Paul Klee hat rund 10.000 Werke hinterlassen — Aquarelle, Zeichnungen, Ölbilder, oft klein, oft kaum größer als ein Blatt Papier. Er war zugleich Lehrer und schrieb seine Form- und Farblehre so genau auf, dass sie bis heute unterrichtet wird.
- 1879Geboren bei Bern
Paul Klee kommt am 18. Dezember in Münchenbuchsee bei Bern zur Welt. Der Vater, Hans Wilhelm Klee, ist Musiklehrer und Deutscher; die Mutter, Ida Maria Frick, ist Sängerin und Schweizerin. Über den Vater ist Klee deutscher Staatsbürger — ein Detail, das am Ende seines Lebens noch wichtig wird.
- ab 1898Studium in München
Zuerst an der privaten Zeichenschule von Heinrich Knirr, dann an der Akademie. Klee zeichnet, radiert und spielt Geige — Musik bleibt sein Leben lang die zweite Sprache seiner Kunst.
- 1911Der Blaue Reiter
Klee findet Anschluss an Wassily Kandinsky, Franz Marc, August Macke und Gabriele Münter. Aus der Zeichnung wird Malerei.
- 1914Die Reise nach Tunesien
Im April fährt Klee mit August Macke und Louis Moilliet nach Tunesien. Das Licht Nordafrikas verändert alles. In Kairouan schreibt er den Satz, der seitdem in jedem Buch über ihn steht.
„Die Farbe hat mich. […] Ich und die Farbe sind eins. Ich bin Maler.“
Tagebucheintrag, Kairouan, April 1914 - 1921–1931Lehrer am Bauhaus
Zehn Jahre unterrichtet Klee am Bauhaus, erst in Weimar, dann in Dessau. Fast die Hälfte seines Werks von rund 10.000 Arbeiten entsteht in dieser Zeit. Seine Unterrichtsnotizen zur Form- und Farblehre werden selbst zu Kunst.
- 1931Professor in Düsseldorf
Klee verlässt das Bauhaus und nimmt eine Professur an der Kunstakademie Düsseldorf an. Er wohnt und arbeitet in der Stadt, in der heute eine Grundschule seinen Namen trägt.
- 1933Entlassung und Flucht
Im April entlassen ihn die Nationalsozialisten fristlos. Seine Kunst gilt als „entartet“, sein Haus wird durchsucht. Ende 1933 verlässt Klee Deutschland und geht zurück nach Bern.
- 1935Die Krankheit
Erste Anzeichen der Sklerodermie, einer Erkrankung, die das Bindegewebe verhärtet. Sie wird ihn nicht mehr loslassen.
- 1937„Revolution des Viadukts“
Im selben Jahr, in dem die Nationalsozialisten die Ausstellung „Entartete Kunst“ zeigen, malt Klee die Brückenbögen, die aus der Reihe treten. Das Bild wurde zum Zeichen seines Widerspruchs — und zum Motiv unseres Schullogos.
- 1939Das größte Jahr
Schwer krank schafft Klee in einem einzigen Jahr 1253 Werke. Die Hand wird steifer, die Striche werden breiter und zeichenhafter.
- 1940Gestorben in Muralto
Am 29. Juni stirbt Paul Klee in Locarno-Muralto. Sechs Tage später, am 5. Juli, wird sein Antrag auf die Schweizer Staatsbürgerschaft bewilligt. Er erfährt es nicht mehr.
Unser Logo
Im Logo der Paul-Klee-Schule stehen drei Brückenbögen: einer gelb, einer orange, einer rot. Jeder hat zwei Beine, und sie stehen nicht ordentlich nebeneinander, sondern treten versetzt aus der Reihe — als würden sie auf den Betrachter zugehen. Darüber spannen sich zwei Linien in Blau und Grün wie ein Dach.
Das Bild dahinter: „Revolution des Viadukts“
Das Motiv stammt aus einem Gemälde, das Klee 1937 malte. Ein Viadukt ist eine Brücke aus lauter gleichen Bögen. Jeder einzelne hat nur eine Aufgabe: still stehen, die Last tragen, ein Glied in der Kette sein. Keiner darf anders sein als die anderen, sonst trägt die Brücke nicht.
Bei Klee tun die Bögen genau das nicht mehr. Sie lösen sich aus der Reihe, drehen sich zum Betrachter und gehen los. Jeder ist anders groß, jeder hat eine andere Farbe. Die Brücke, die sie bilden sollten, hört damit auf zu existieren — und genau das ist der Punkt.
Klee malte das Bild 1937. Im selben Jahr zeigten die Nationalsozialisten die Ausstellung „Entartete Kunst“, in der auch seine Werke hingen. Vier Jahre zuvor hatten sie ihn aus Düsseldorf geworfen. Das Bild gilt seither als sein Widerspruch gegen eine Ordnung, in der alle gleich zu sein haben. Das Original hängt in der Hamburger Kunsthalle, Öl, 60 × 50 Zentimeter.
An unserer Schule lernen rund 220 Kinder aus mehr als 30 Herkunftsländern. Kein Bogen gleicht dem anderen, jeder trägt sein eigenes Gewicht, und zusammen halten sie trotzdem etwas. Das Dach darüber ist die Schule, die sie dabei schützt. So lesen wir das Logo.
Eine amtliche Deutung gibt es nicht: Die Schule hat nie veröffentlicht, wie ihr Logo entstanden ist. Dass das Motiv aus Klees Viadukt-Bild stammt, ist nicht zu übersehen — die Lesart darüber ist unsere.
Paul Klee im K20
Düsseldorf besitzt eine der bedeutendsten Klee-Sammlungen der Welt — und sie steht am Anfang des ganzen Museums. Ohne Paul Klee gäbe es die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen nicht.
- 1960Das Land kauft 88 Werke
Nordrhein-Westfalen erwirbt 88 zentrale Arbeiten Paul Klees aus der Sammlung des Stahlindustriellen G. David Thompson in Pittsburgh. Der Ankauf war mehr als eine Erwerbung: Dasselbe Land, aus dessen Hauptstadt Klee 1933 vertrieben worden war, holte sein Werk zurück.
- 1961Eine Stiftung entsteht
Ein Jahr später wird in Düsseldorf die Stiftung Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen gegründet. Werner Schmalenbach wird Gründungsdirektor und baut die Sammlung in 28 Jahren auf.
- 1986Das Haus am Grabbeplatz
Das K20 mit seiner schwarzen Granitfassade öffnet am Grabbeplatz. 2010 kommt ein Erweiterungsbau dazu.
- heute135 Werke
Das K20 bewahrt heute 135 Arbeiten von Paul Klee. Die Inventarnummern beginnen bei 0001 — sie waren der erste Besitz des Hauses. Welche davon gerade hängen, wechselt.
- Adresse
- K20 am Grabbeplatz, Grabbeplatz 5, 40213 Düsseldorf
- Anfahrt
- U-Bahn bis Heinrich-Heine-Allee, von dort wenige Minuten zu Fuß
- Geöffnet
- Dienstag bis Sonntag und an Feiertagen 11 bis 18 Uhr, montags geschlossen. Jeden ersten Mittwoch im Monat bis 22 Uhr.
- Eintritt
- Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren frei. Die Preise für Erwachsene ändern sich; sie stehen aktuell beim Museum.
Für Kinder ist Klee ein dankbarer erster Museumsbesuch: Seine Bilder sind klein, farbig und voller Zeichen, die man erkennen kann — Pfeile, Fische, Monde, Gesichter. Man muss nichts über Kunst wissen, um etwas zu sehen.
Eine Schule, die den Namen eines Künstlers trägt, den man aus dieser Stadt vertrieben hat, trägt auch dessen Geschichte. Die drei Bögen im Logo erinnern daran, dass es gut ausgehen kann, wenn nicht alle gleich sind.